Cabo Verde, Fotografie, Reisen

Cabo Verde: Bravas schönste Bucht

Wanderung auf Brava

Es ist schon dunkel, als wir die Fähre in Brava verlassen. Alle nacheinander, über eine aus altem Holz gebastelte Brücke, die knarrt und ächzt und unter den vielen Menschen beachtlich schwankt. Am Ende der wackelnden Holzbrücke steht Joe. Er nimmt meine Hand und ruft: „Ihr zarten Europäer!“ -man sieht mir wohl an, dass ich mein Abendessen nur mit Mühe und Not in mir behalten konnte.

Vom Hafen aus führt eine schmale Straße in engen Kurven den Berg hoch. Im Scheinwerferlicht sehe ich Hunde, die am Straßenrand oder auf Mauern schlafen. Je höher wir kommen, umso windiger wird es. Wir tauchen ein in dicken Nebel, lassen ihn hinter uns um wenige Minuten später durch eine Wolke hindurch zu fahren. Wir sind oben angekommen: Vila Nova Sintra, die Inselhauptstadt Bravas, thront über (fast) allem.

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Noch 20 Minuten fahren wir, jetzt wieder bergab, und ich bin froh, dass es dunkel ist. Immer wieder rutscht das Auto auf losem Geröll, rollt in jeder Kurve zu nah an den Abhang, der sich erst zeigt, wenn es schon fast zu spät ist. Straßenbeleuchtung gibt es nicht und das einzige Hindernis zwischen uns und dem Abhang ist eine kleine Mauer, die an den meisten Stellen schon zerfällt. Wir weichen großen Gesteinsbrocken aus, die irgendwann von oben den Berg herab donnerten und vermutlich für immer und ewig hier liegen bleiben werden.

Brava hat die wahrscheinlich schönste Bucht der Kapverden

Die ersten Lichter tauchen auf und Fajã d’Água erobert mein Herz im Sturm. Es ist klein und ruhig, ganz friedlich -bis Joe ein paar Mal laut hupt. Marijke und Erick, die Teile ihrer Kaza di Zaza vermieten, warten schon. Wir trinken noch ein bisschen Maracujawein und gehen dann schlafen.

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Die nächsten Tage beobachte ich Sonnenuntergänge, erkunde den verlassenen Flughafen, der jetzt von Kühen bewohnt wird, begleite einen Fischer auf den Atlantik hinaus und folge dem Geschrei wilder Affen durch das Tal, bis ich sie in einem riesigen, alten Baum finde.

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Anreise: Man erreicht Brava leider nur mit den Fähren, die zwischen den Inseln verkehren. Am besten von Fogo aus, dann dauert es nicht so lange, aber man kann auch von Santiago starten. Es kann  vorkommen, dass sie aufgrund der Wetterlage überhaupt nicht verkehren, kurzfristig die Zeiten geändert werden oder einem schlecht wird -so sehr ich den Atlantik liebe, die riesigen Wellen, die er bei dem kleinsten bisschen Wind produziert, sind schon fies.

Preise: Von Fogo nach Brava (40 Minuten) und zurück kostet ungefähr 1550 Escudos (ca. 15€) Kotztüten gibt’s für jeden umsonst, wer trotzdem auf den Boden kotzt, macht sich unbeliebt!

Unterkunft: Ich kann die Kaza di Zaza wirklich empfehlen, Marijke und Erick sprechen Englisch und Kreol, kennen so ziemlich jeden auf der Insel und sind einfach nette Leute. Sie vermieten ein kleines Apartment (Schlafzimmer, Bad, kleine Kochecke, Balkon mit fantastischer Aussicht) und eine Öko-Hütte, die sie aus alten Flaschen gebaut haben (Dusche und Klo draußen im Freien, es gibt kein schöneres stilles Örtchen!). Außerdem gibt es leckeren selbstgerechten Maracujawein, eine Dachterrasse mit Hängematte und frische Papayas aus dem Garten.

Essen: Selbst kochen empfiehlt sich, wenn man gerne frischen Fisch isst -den kann man morgens am Hafen kaufen. Es gibt auch einen kleinen Laden, in dem man auf ca. 10qm zumindest Nudeln und Kartoffeln kaufen kann. Wer keine Lust hat, selbst zu kochen, kann essen gehen. Richtige Restaurants gibt es in Fajã d’Água nicht, aber in den Bars kann man nachfragen, ob ein Abendessen möglich ist. Mit ein bisschen Vorlaufzeit machen das eigentlich alle gerne und freuen sich über Besuch! Am besten dann bei Marijke und Erick ein paar Worte Kreol lernen.

Unternehmungen: Neben Spaziergängen und Wanderungen kann man bei den Fischern im Dorf fragen, ob man sie hinaus in die Bucht begleiten kann. Auch hier gilt: Wer seekrank wird, sollte eine Kotztüte mitnehmen. Die Boote sind winzig, die Wellen nicht. Man bekommt einen wunderschönen Blick auf die Insel und kann im klaren Wasser die bunten Fische beobachten.

Der Flughafen Bravas wird wegen der starken Winde nicht mehr genutzt, aber mit ein bisschen Glück sieht man von dort Wale! Ansonsten sind die Kühe, die jetzt auf der Landebahn leben, auch einen Besuch wert. Auf dem Weg dorthin kommt man außerdem an einer Steintreppe vorbei, die zu einem natürlichen Pool führt, in dem man schwimmen kann.

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Wilde Affen gibt es auch, man sieht sie in Fajã d’Água aber nur selten. Dafür hört man sie und wenn man das Tal hinauf wandert, findet man vielleicht welche. Für Vogelfreunde lohnt sich ein Besuch auch, denn es gibt hier Eisvögel! Die kannte ich bisher nur aus Büchern und hätte überhaupt nicht gedacht, dass ich die jemals sehen würde.

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Verliebt in die Welt, das Reisen und mein neues Zuhause in Spanien. Ich leide unter chronischem Fernweh, also reise ich, soviel ich kann, und wann immer ich kann. Hier berichte ich über meine Abenteuer, Entdeckungen und Erfahrungen.

8 Kommentare

  1. Oh wow, wie schön! Die Bilder und deine Worte machen einem richtig Fernweh. Wie gern würde ich jetzt selbst dort sein. Hach.. *träum*

    Liebste Grüße :)

  2. Die Bilder sind ja der Wahnsinn. Vor allem der Sonnenuntergang. Ich will dahin! Jetzt sofort! ;)

    Gruß Annika

  3. Da bekommt man richtig Fernweh. *-* So wundervolle Eindrücke, die du da zeigst.
    Liebe Grüße Michelle von beautifulfairy

  4. Nina sagt

    Vielen Dank, freut mich, dass euch die Fotos gefallen!

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