Gedanken, Zuhause in Galizien

8 Gründe, ins Ausland zu ziehen

Wir kennen sie alle, unsere geliebte Komfortzone. Ist nicht nur ein schönes Wort, sondern auch irgendwie die Wahrheit. Unsere Zimmer, unsere Couch, Freunde, Familie, Orte. Wo wir aufgewachsen sind, kennen wir uns aus. Wir fühlen uns (meistens) wohl und das Leben ist schön. Wir haben unsere eigenen Traditionen und Kneipen und wissen, wo es die beste Eiscreme gibt. Aber sich in eine andere Stadt zu stürzen, ins kalte Wasser zu springen, raus aus der Komfortzone –das kann so unglaublich spannend sein!
Da mich einige Mails erreicht haben, in denen ich gefragt wurde, wieso ich reise und gerne monatelang in einer mir völlig unbekannten Stadt/Gegend lebe, habe ich hier ein paar meiner Gründe gesammelt. Das sind aber natuerlich meine persoenlichen Gruende. Ich kenne viele Leute, die nie das Bedürfnis hatten, ins Ausland zu gehen und vielleicht dort zu bleiben. Das Wichtigste ist wohl, das man das macht, was sich für einen selbst richtig anfühlt.

1. Den Horizont erweitern

Egal, ob man vorher schon die Welt bereist hat oder nicht, sich kopfüber in eine neue Stadt, und damit in ein neues Leben zu stürzen, bringt tolle Erfahrungen mit sich. Neue Leute, neue Kulturen, Sprachen, Essen, Landschaften –alles ist neu und unbekannt, aber auch aufregend und spannend. Man ist nicht auf die Veränderungen vorbereitet, die man erlebt, aber man lernt, die Ungewissheiten und Unsicherheiten zu schätzen. Es verändert das ganze Leben, die Persönlichkeit. Man hat unheimlich viele Möglichkeiten, sich neu zu entdecken, sich auszuprobieren.

2. Neue Sprachen lernen

…und Kulturen kennenlernen! Egal was und wann,  man kann gar nicht anders, als immer tiefer in die Sprache und Kultur einzutauchen.

3. Neue Freunde

Was würde ich nur ohne meine geliebten Menschen da draußen in der Welt tun? Sie sind meine zweite Familie und ich kann mich immer auf sie verlassen. Wir gehen nicht nur feiern und kochen zusammen, sie zeigen mir ihre Städte und Lieblingsorte und erlauben mir, ihre Stadt viel intensiver kennenzulernen. Wenn ich Unterstützung brauche, bei egal was, weiß ich, an wen ich mich wenden kann.
Man trifft Freunde von Freunden, die dann zufällig eine Tante haben, die in Patagonien lebt, wo man schon immer mal hinwollte –das globale Freundes- und Bekanntennetzwerk wächst immer weiter. Und irgendwann kommt man vielleicht nach Patagonien und kann die Tante des Freundes eines Freundes dann besuchen.

4. Sich selbst herausfordern

Ich kenne so viele Menschen, die sich über ihr Leben beklagen. Wo ist die Leidenschaft, die Freude? Das Leben ist schön! Es ist manchmal verwirrend und treibt uns an unsere Grenzen, aber es raubt uns auch den Atem und lässt unser Herz höher schlagen. Das Leben kann alles Mögliche sein, aber langweilig? Bitte nicht.

5. Einen klaren Schnitt machen

Ein neuer Start kann beunruhigend sein, das weiß ich auch. Aber manchmal fällt es Menschen leichter, mit etwas abzuschließen, indem sie irgendwo ganz von vorn anfangen. Sich selbst neu erfinden, oder einfach versuchen, ein besserer Mensch zu sein, das kann viel einfacher sein, wenn man in einer neuen Stadt ist. Damit meine ich nicht, dass man vor Problemen weglaufen soll, aber mal ganz ehrlich: Wenn alles scheiße ist, muss man ja nicht bleiben. Es ist euer Leben und ihr habt nur eins. Wenn es hilft, gewisse Dinge zu verarbeiten, why not?

6. Die Beziehung zu mir

Es gibt in meinem Leben einen Menschen, mit dem ich ständig konfrontiert werde. Ich selbst. Macht mir nicht immer Spaß und manchmal gehe ich mir gehörig auf die Nerven, aber ich glaube, es ist wichtig, in sich hinein zu horchen. Was will man anstellen mit seinem Leben? Will man das wirklich oder macht man sich etwas vor, um Eltern oder Freunde zu beeindrucken?

7. Auf eigenen Füßen stehen

Na klar kann ich auch ans andere Ende von Deutschland ziehen und da alleine wohnen. Dann muss ich auch einkaufen und kochen. Aber ganz ehrlich: Wenn ich dann ein Problem hätte, würde ich trotzdem zuerst Papa anrufen. Der Wasserhahn tropft, die Waschmaschine funktioniert nicht, das Bad hat hässliche Fliesen. Papa, kannst du da nicht mal gucken? Papa, was macht man da? Für fast alle Probleme, die mir in meinem Leben bislang unterkamen, wusste ich mindestens zwei Menschen, die das locker für mich hätten lösen können. Im Ausland hat man diesen Luxus (meistens) nicht.
Ich kann mittlerweile ganz gut kochen, einen tropfenden Wasserhahn reparieren und meine Möbel selbst aufbauen. Renovieren oder den Ölstand am Auto prüfen ist auch kein Problem mehr, obwohl ich es lange nicht so gut kann wie mein Papa.
Worauf ich hinaus will: Im Ausland stehe ich ganz anders auf eigenen Füßen. Schon allein, weil hier kaum jemand Deutsch oder Englisch spricht.

8. Und am Ende bist du doch allein

Ich bin kein Pessimist, aber ein realistischer Optimist. Oder so. Jedenfalls versuchen wir doch alle irgendwie, das Beste aus unserem Leben zu machen. Das sieht nicht immer gleich aus, denn wir sind ja alle verschieden, aber selbst wenn man am Ende nichts mehr hat, hat man immer noch sich selbst. Das ist nichts Schlimmes und meistens hat man ja Familie und Freunde, aber eben nicht immer. Und wenn man mal eine Zeit lang woanders war und gelebt hat, dann weiß man, dass Familie bleibt. Auch nach längerer Zeit. Und dass man immer irgendwo einen Freund findet, auch wenn man gar nicht damit rechnet. Und diese Freunde werden Familie. Und wenn das alles nicht passiert, dann kann man sich trotzdem auf sich selbst verlassen. Und es ist schön, das zu wissen.

Kategorie: Gedanken, Zuhause in Galizien

von

Verliebt in die Welt, das Reisen und mein neues Zuhause in Spanien. Ich leide unter chronischem Fernweh, also reise ich, soviel ich kann, und wann immer ich kann. Hier berichte ich über meine Abenteuer, Entdeckungen und Erfahrungen.

11 Kommentare

  1. Peter Decker sagt

    deine Worte beeindrucken mich, machen mich stolz und treiben mir ein bisschen Feuchtigkeit in die Augen

  2. Ich kann nur jeden Punkt unterschreiben, nur leider gehöre auch ich zu denen, die schon einen zu festgelegten Weg hier vor sich haben… :)
    Liebe Grüße, Mona von Belle Mélange

    • Nina sagt

      Das ist ja auch nichts Schlechtes :)
      Früher habe ich mir immer gewünscht, dass mein Weg auch ein bisschen festgelegter ist… hat nur nicht geklappt :D

  3. Pingback: Im Ausland leben: Ist das was für mich? - Nina um die Welt

  4. Toll geschrieben <3
    Ich fand meine Auslandsaufenthalte auch immer total bereichernd!

    Ich wünsche dir einen schönen Tag :)
    Liebst, Linda

    • Nina sagt

      Vielen Dank! :)
      Bereichernd sind sie wirklich immer, das ist unglaublich.

      Ich wünsche dir auch einen schönen Tag :)

  5. sehr schöner Post :)
    ich würde gerne nochmal ins Ausland, allerdings nur zum Urlauben. Auswandern käme für mich nicht infrage.
    Trotzdem ein toller Post! :)
    lg

  6. Reisen ist wirklich toll, neue Menschen, neue Orte und neues Essen kennen zu lernen :)

    Liebe Grüße

  7. Wunderschöner Post. Wirklich, deine Worte sprechen mir aus der Seele.
    Mein Papa ist vor Guten 5 Jahren ausgewandert und es ist glaube ich das beste, was er machen könnte.

    Und wie geil ist es Bitte das dein Papa kommentiert ? Hallo Ninas Papa :D

    liebe grüße
    Bambi

    http://Www.xfunkelmaedchen.blogspot.de

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