Alle Artikel in: Sri Lanka

Sri Lanka: Was vom Paradies noch übrig ist (2)

Am Fenster ziehen dicke Hügel aus saftigem Grün vorbei, so weit das Auge reicht, sehe ich Teeplantagen. In allen Schattierungen leuchtet das Grün, hoch und runter, immer das Gleiche und doch anders. Die Strecke von Ella nach Kandy ist eine der schönsten Zugstrecken überhaupt. Auch nach Stunden wird es nicht langweilig, aus dem Fenster zu sehen. Immer wieder tauchen Verkäufer mit frittierten Irgendwas-Bällchen auf, ab und zu ziehen Straßen vorbei, Menschen winken. Unterwegs kommen wir an ein paar Bahnübergängen vorbei, an denen Anwohner die Schranke selbst öffnen und schließen müssen -mit den Händen, denn eigentlich ist es keine Schranke, sondern nur ein alter Holzpfahl. Ich steige in Haputale aus, es regnet den ganzen Tag. Am nächsten Morgen stehe ich um halb 5 auf, klettere in ein TukTuk und mache mich auf den Weg zu Lipton’s Seat. Am Anfang fliegt das TukTuk nur so dahin, schwerelos und elfengleich. Je weiter wir den Berg erklimmen, desto schwerfälliger wird das TukTuk. Es knattert und ächzt, zwischendrin knallt es. Plötzlich hält der Fahrer an, weil der Tank leer ist, also laufe ich die letzten …

Sri Lanka: Was vom Paradies noch übrig ist (1)

Es ist oft so, dass man denkt, ein Land sei wunderschön, und meistens ist es das auch, aber wenn Menschen in der Gleichung auftauchen, dann wird aus wunderschön auch schnell mal furchtbar. So ist das in Sri Lanka auch. Da sind Menschen, die ihren Müll achtlos dort hinschmeißen, wo sie gerade gehen und stehen; Menschen, die statt Toiletten lieber den Strand aufsuchen; Menschen, die Elefanten in Ketten legen, und die Menschen, die sich dann von den in Ketten gelegten Elefanten durch die Gegend tragen lassen. Aber da sind natürlich auch noch andere Menschen: Die alte Frau, die mit Muscheln nach denen wirft, die sich am Strand nicht benehmen können. Der Restaurantbesitzer, der seine Kunden mit riesigen Schildern darauf hinweist, dass Straßenhunde willkommen sind –und wem das nicht passt, der solle bitte woanders essen. Die Frau, die Touristen um Spenden bittet, damit sie Reis und Hundefutter kaufen kann, um Straßenhunde zu füttern. Und da ist Sampath, der eine Woche lang jeden Tag mit mir zum Strand läuft, Geschichten erzählt und mir das Gefühl gibt, dass wir uns schon …

Little Adam’s Peak: „Vorbereitung ist das A und O!“

Der Weg nach oben zum Little Adam’s Peak ist ein Traum. Wir laufen vorbei an kleinen Holzbuden, in denen man Obst und Zigaretten kaufen kann, nur das Nötigste für unterwegs. Alte Frauen stehen am Wegesrand, an ihre Besen gelehnt und winkend. Kinder spielen Fußball, werfen Wasserbomben, lachen laut. Immer höher windet sich der Pfad, zwischen Teeplantagen durch, vorbei an Kühen, Straßenhunden und Touristen, die alle zwei Meter Blumen fotografieren. Sie tragen dicke Wanderstiefel und beige Klamotten, so wie man sich Rentner eben vorstellt, die im Urlaub Berge hochkraxeln. Sie stapfen im Gleichschritt den Berg hoch, machen Fotos von Blumen und haben ein Lunch-Paket dabei. „Vorbereitung ist das A und O“, sagt Klaus, und er muss es wissen, schließlich bringt er seine Liesbeth schon seit fast 40 Jahren an die entlegensten Orte der Welt. Ich laufe barfuß, habe aber für den Fall der Fälle ein paar Turnschuhe dabei -und meine Kamera. Vielleicht bin ich einfach zu optimistisch und habe die Länge des Spaziergangs (sorry: der Wanderung) unterschätzt, vielleicht bin ich einfach unorganisiert und unvorbereitet. Trotzdem stehe …

Sri Lanka: Und Sampath lacht

Es ist heiß in Sri Lanka. Der Indische Ozean rauscht, Grillen zirpen, mir ist schlecht. Hinter mir liegen 46 Stufen, vor mir 87 weitere. Sie sind unregelmäßig in den Stein geschlagen, einige sind so schmal, dass mein Fuß nicht mal zur Hälfte darauf passt. Die nächste Stufe ist fast einen Meter hoch und ich will zurück ans Meer. Oben auf dem Berg sehe ich die Umrisse eines kleinen Tempels. Irgendwo schreit ein Affe, Hunde bellen, Grillen zirpen, der Ozean rauscht, es ist heiß, so verdammt heiß, und mir ist schlecht. Ich will aufgeben und zurück ins Wasser, da taucht Sampath auf. Er klettert auf die Stufe und streckt seine Hand aus, erklärt mir, dass ich nicht aufgeben kann, denn die Aussicht von oben ist fantastisch, und sowieso ist Aufgeben einfach nicht drin heute. Eine halbe Stunde später sitzen wir vor dem Tempel auf einem Felsbrocken. Sampath hat vorher die Umgebung nach Schlangen abgesucht, aber keine gefunden. Nur eine Made, die länger ist als mein Mittelfinger -und dreimal so fett. Ich dachte, die gibt es nur woanders, jedenfalls nicht da, …