Sri Lanka
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Sri Lanka: Was vom Paradies noch übrig ist (1)

Es ist oft so, dass man denkt, ein Land sei wunderschön, und meistens ist es das auch, aber wenn Menschen in der Gleichung auftauchen, dann wird aus wunderschön auch schnell mal furchtbar. So ist das in Sri Lanka auch.

Da sind Menschen, die ihren Müll achtlos dort hinschmeißen, wo sie gerade gehen und stehen; Menschen, die statt Toiletten lieber den Strand aufsuchen; Menschen, die Elefanten in Ketten legen, und die Menschen, die sich dann von den in Ketten gelegten Elefanten durch die Gegend tragen lassen.

ND1_SriLanka2016_Elefant_Porträt

Aber da sind natürlich auch noch andere Menschen: Die alte Frau, die mit Muscheln nach denen wirft, die sich am Strand nicht benehmen können. Der Restaurantbesitzer, der seine Kunden mit riesigen Schildern darauf hinweist, dass Straßenhunde willkommen sind –und wem das nicht passt, der solle bitte woanders essen. Die Frau, die Touristen um Spenden bittet, damit sie Reis und Hundefutter kaufen kann, um Straßenhunde zu füttern. Und da ist Sampath, der eine Woche lang jeden Tag mit mir zum Strand läuft, Geschichten erzählt und mir das Gefühl gibt, dass wir uns schon ewig kennen. So wird aus furchtbar dann wieder wunderschön.

Sri Lanka ist kein Paradies, aber wenn man genauer hinsieht, dann kann man das, was vom Paradies übrig ist, noch erkennen. Wie ein leiser werdendes Echo zieht es sich durch das ganze Land, mal lauter und dann wieder ganz leise.

 

Galle_CollageGalle liegt im Südwesten Sri Lankas und ist vermutlich die schönste Küstenstadt. Hier bewundere ich alte Kolonialbauten, wandere auf den Spuren der Portugiesen, sehe Kindern dabei zu, wie sie Drachen steigen lassen, und beobachte von der Festungsmauer aus Wale.

 

Auf Walsafari in Sri Lanka

In Mirissa ist es heiß und schwül, aber Strand und Meer sind wunderschön. Ich stürze mich in die Wellen, finde Krebse und Muscheln und esse Eis zum Frühstück. Es gibt ein kleines Restaurant direkt am Wasser, ich bin jeden Tag mindestens einmal dort. Nirgendwo sonst schmecken die frittierten Bananen besser. Und Bananen esse ich andauernd: Zu Pfannkuchen, mit Honig, einfach so frisch von der Palme, im Obstsalat oder, war ja klar, mit Eis.

Außerdem steige ich in ein wackliges Boot und fahre hinaus auf den Indischen Ozean. Ich sehe Fischer, die in winzigen Booten auf dem riesigen Ozean umher treiben, eine Chinesin, der vor Aufregung ihr Smartphone ins Meer fällt, und natürlich Wale.

„Wenn ein Wal gesichtet wird, lauft bitte nicht alle auf eine Seite des Bootes, das kann böse enden“, sagt der Kapitän. Alle nicken brav und als der erste Wal gesichtet wird, kentern wir beinahe.

Mirissa_Harbour_2016_NinaDecker_farandwide

ND_SriLanka2016_Mirissa_06

 

Im Reich der Elefanten

Ehmed hat ein rotes TukTuk, es ist sein ganzer Stolz. Damit fährt er uns in den Nationalpark Uda Walawe. Ich will endlich Elefanten sehen und zwar ganz viele. Morgens um 4 stehe ich auf, klettere in den offenen Jeep und lasse mich durch wunderschöne Landschaft zum Eingang des Parks fahren. Jedes Fahrzeug bekommt einen Guide zugeteilt, ich hab mal wieder riesiges Glück mit meinem.

„Wir können dahin fahren, wo auf jeden Fall Elefanten sind. Aber da sind auch alle anderen Jeeps. Oder wir probieren es auf gut Glück, dann kann ich nichts versprechen“

Versprechen muss er nichts, also fahren wir auf eigene Faust los und hoffen, so wenigen anderen Jeeps wie möglich zu begegnen. Zwanzig Minuten später stehen wir an einem Wasserloch und ich sehe das erste Mal in meinem Leben Wasserbüffel. Sie liegen einfach so im Wasser, manche spielen, andere schlafen. Hinter ihnen erheben sich die Hügel Sri Lankas, die von der Sonne in milchiges Blau getaucht werden.

ND1_SriLanka2016_UdaWalawe_23

Wasserbüffel_Collage

ND1_Srilanka2016_UdaWalawe_Elefant

Kurz darauf steht er am Rand des Trampelpfades und wackelt mit den Ohren: Der erste Elefant. Mein Herz läuft über vor lauter Freude.

 

Wir fahren immer weiter, sehen Mungos, riesige Leguane, Pfauen, kleine Eidechsen, kleine Vögel, Wildkatzen, Adler, und immer wieder Elefanten. Da sind Mütter mit ihren Babys, ganze Herden und einsame Bullen. Sie beobachten uns aus dem Dickicht heraus und verfolgen jede unserer Bewegungen.

Beitragsbild_SriLanka_Teil1

SriLanka2016_Collage_Elefanten

Collage_Elefanten_UdaWalawe

 

Das Ding mit ist: Wir alle wissen, dass Elefanten nicht in Zoos gehören. Sie gehören nicht eingesperrt, und dass man es doch tun muss, um sie vor Menschen zu schützen, ist furchtbar. Das ist klar, aber manchmal muss man eben vor so einem Elefanten stehen, damit das wirklich so richtig klar wird.

[Teil 2]

Kategorie: Sri Lanka

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Verliebt in die Welt, das Reisen und mein neues Zuhause in Spanien. Ich leide unter chronischem Fernweh, also reise ich, soviel ich kann, und wann immer ich kann. Hier berichte ich über meine Abenteuer, Entdeckungen und Erfahrungen.

11 Kommentare

    • Nina sagt

      Danke! Elefanten haben einfach etwas an sich, das kann ich gar nicht beschreiben. Tolle Tiere :)

  1. John sagt

    Love the photos! Great captures -and they would make a nice birthday gift for me, my dear!!

  2. Sarah sagt

    Wooooow! Einfach Wow! <3
    Ein so toller Post! Einerseits die zauberhaften Fotos die mir sofort Fernweh ins herz rufen, aber auch so ein toller Text! Finde es klasse dass du auch die unschönen Seiten siehst.

    Liebst, Sarah von Belle Mélange

  3. Larissa sagt

    Wow! Was für schöne Eindrücke! Finde auch den Text den du geschrieben hast sehr schön. Auf jeden Fall weckt der Post in mir großes Fernweh.
    Elefanten sind meiner Meinung nach unglaublich tolle Tiere! :)
    Liebe Grüße
    Larissa

  4. Ein sehr schöner Bericht über Sri Lanka, ich war dort leider noch nie.
    Man bekommt wirklich Fernweh aber ich bin voll bei dir bzgl. dessen was du am Anfang schreibst. Auf den ersten Blick Urlaubsparadies, aber wenn man mal die Wege verlässt die das Tourismuszentrum vorsieht sieht man dass viel nur Schein ist :/

    Viele liebe Grüße
    http://hydrogenperoxid.net

  5. Peter Decker sagt

    …und dann sitze ich hier und denke: das ist meine Tochter, die so schöne Texte schreibt

  6. Wieder sehr schöne Bilder.
    Ich kann deine Worte gut nachvollziehen, der Mensch macht schöne Dinge manchmal zu hässlichen Dingen. Die in Ketten gelegte Elefanten machen mich traurig… wieso nur?
    Nicht nur das, auch dass die Menschen scheinbar zu blöd sind, einen Mülleimer aufzusuchen macht mich traurig und wütend zugleich. Umso schöner ist es zu lesen, dass es Menschen wie die alte Frau, den Restaurantbesitzer und Sampath gibt. Man denkt immer, dass man als einzelner nichts verändern kann. Aber selbst kleine Funken können ein Feuer auslösen…
    Jetzt schweife ich aber ab.
    Sehr schöner Post, mit sehr schönen Bildern!

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